Deine Fabrik wird geschlossen 2
Jochen Knoblach schreibt heute im Leitartikel der Berliner Zeitung, Neue Ideen für die Industrie, „Folgt der industriellen Verödung des Berliner Ostens nun der Niedergang der Produktionsstrukturen im Rest der Stadt.. ..Zunächst ist es einfallslos. Während in den Führungsetagen der Wirtschaft pausenlos Kreativität und Flexibilität als Garantien für die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens gefordert werden, reagieren viele Wirtschaftslenker selbst sogar auf unübersehbare Marktveränderungen noch immer völlig ideenfrei mit Stellenabbau. Dass ihnen sonst nichts einfällt, ist die eigentliche Bedrohung, weil die Veränderungen gerade erst beginnen und damit der industrielle Absturz tatsächlich folgen könnte.“
Siemens sagt sinngemäß in der Tagesschau, von der die screenshots oben stammen, gestern dazu, wir machen 6 Milliarden Gewinn, wir forschen und entwickeln, aber Arbeitsplätze für Güter, die keiner kauft, müssen wir aufgeben.
Kann man/frau verstehen, würden wir alle machen, geschieht sogar bei der öffentlichen Hand und dort sogar mit solchen Arbeitsplätzen, die gebraucht werden. (Wowereit ehemals, Sparen bis es knirscht.)
Weiter mit Jochen Knoblach heute, „Das macht die Großturbine zum Dieselmotor der Energiebranche, und sie wird als Produkt in Moabit ebenso verschwinden wie die Verbennungsmotoren bei Daimler in Marienfelde und bei BMW in Spandau. Ein Unternehmer kann darauf mit der Schließung des vermeintlich nutzlosen Betriebes reagieren oder das dort vorhandene Know-How nutzen, um neue Produkte zu kreieren und zu fertigen.“
Wissen wir alle, hat Siemens/Osram mit LEDs statt Glühlampen gemacht und die neuen Produkte zusammen mit Chinesen vermarktet, und nun wird in Osram in Berlin-Spandau abgebaut und in China weiter gemacht. Unübersehbare Marktveränderungen beginnen nicht erst jetzt. Das hat Tante Emma mit ihrem Laden bemerkt und kreativ als Edeka oder Späti überlebt, aber meistens sind die Tante-Emma-Standorte als vermietete Parterrewohnungen und in den Geschäftsstraßen als Agenturbüros, Shishabars etc. zu besichtigen. Das hat auch die Bahn bemerkt, die unflexiblen Schienen an den Enden veröden lassen und investiert in flexible Busverkehre. Und die Nebengleise enden seit langem in ehemaligen Industrieanlagen, die nun als Gewerbehöfe, Lofts, Kunst-Räume, etc. dienen.
Vorschlag: Die Unternehmer unter den 2600 demonstrierenden Siemensianern setzen sich zusammen, und mit Hilfe der IG-Metall und Martin Schulz zeigen sie als Genossenschaft den Unternehmern an der Siemensspitze, was sich aus dem „Betongold“ plus Know-How in Berlin-Spandau und Berlin-Moabit machen lässt, und welche Produkte, mit sogar mehr als 900 Berlinern hergestellt, in Zukunft den Markt erobern.
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In der SUPERillu, Nr.49/30.Nov.2017, schreibt die Kolumnistin Antje Hermenau unter der Überschrift „Vergesst Siemens und setzt auf den Mittelstand“ u.a. „Verhandlungen für eine geordnete Übergabe in die Hände des Mittelstands hingegen brächten deutlich mehr .. .. Der Mittelstand ist bodenständig und sehr oft ortstreu. Er wird seine Zulieferer nicht im Stich lassen. Das ist die neue ökonomische Wahrheit: Nicht Größe, sondern Beweglichkeit macht den Unterschied.“
Einige Jahre später, Zitat der FR vom 27.3.2026: „Der Philosoph Hannes Kuch unterstützt Unternehmer:innen dabei, ihre Firma an die Belegschaft zu verkaufen. Was in den USA und Großbritannien längst üblich ist, ist in Deutschland noch selten. Im Interview erklärt er, warum nicht nur die Beschäftigten, sondern auch die Eigentümer von diesem Modell profitieren.“ Zitatende. Es folgt das Interview.
Genaueres steht im Buch „Wirtschaft, Demokratie und liberaler Sozialismus“ von Hannes Kuch, besprochen im Blog politischeoekonomie.com.
Womit ich Obiges untermauere, dass Streik und Demo gegen Firmenschrumpfung oder -Schließung immer den Weiterbestand der bedrohten Arbeitsplätze bedeutet. Warum dann nicht Ärmel hoch und die Firma als Genossenschaft übernehmen?