Renten-Panik

Arbeit, Politik, Sozialstaat

Die Tagesschau meldete am 8.6.21, „Altmaier kassiert Pläne seiner Berater!“ Altmaier verkündete dazu, „das Renteneintrittsalter sei momentan kein Thema.“

Die Bildzeitung köchelt an der Rente und leitartikelt am 10.6., „Der Streit um die Rente mit 68 eskaliert! Politiker aller Parteien attackieren die 39 Wissenschaftler des Beirats beim Wirtschaftsminister für ihren Vorstoß!

Waren Politiker bei der Pandemie noch der Wissenschaft hörig, werden in Sachen Rente die Experten einfach beiseite geschoben. Vom Wähler dagegen kann angenommen werden, dass er sich über seine Altersvorsorge, um die geht es hier, Gedanken macht und den Wissenschaftlern vertraut.
Die Altersvorsorge gab es schon immer. Ganz früher kümmerte sich der Familienverband, wie noch heute in Ländern, wo die Kinder für das Überleben im Alter wichtig sind. Vor mehreren hundert Jahren kamen Selbsthilfeeinrichtung und später Pensionskassen auf, bis 1889 im Rahmen der Sozialgesetze die Rente ab 70 bei mindestens 30 Beitragsjahren geschaffen wurde. Finanziert zu je einem Drittel vom Arbeiter, vom Arbeitgeber und vom Staat. Die 130 Jahre danach sahen viele Reformen, wie auch jetzt wieder eine erforderlich ist. Das Aufrechterhalten des Rentenverfahrens macht eine Heraufsetzung des Eintrittsalters auf 68 unumgängig. Muss dieses Basteln sein?

Einfach mal feststellen, dass 130 Jahre Wandel in der Welt der Arbeit auch einen Wandel der Sozialgesetzgebung erfordern. Dass Arbeit und Beruf eine andere Bedeutung als zu Kaisers Zeiten haben. Dass Menschen nicht nur älter als früher werden, sondern auch, solange sie gesund bleiben, sehr gerne den Wert ihres Lebens und ihre Würde mit Aufgaben, die sie übernehmen, bereichern.

Bezogen auf das Gesundsein gibt es nur ein Eintrittsalter, das der Geburt. Von da an greift die Krankenversicherung. Die kam mit der Unfallversicherung vor der Rentenversicherung. Letztere ist eigentlich dank der beiden anderen unnötig. Fällt sie weg, gibt es nicht mehr das Abschieben in den Ruhestand.
Etwas, was auch die hier immer wieder erhobene Forderung nach Abschaffung von Ehrenämtern zugunsten von bezahlten Aufträgen stützt.
Das ist nicht die Idee vom lebenslangem Malochen, sondern der Vorschlag für einen lebenslangen Wert mit der Übernahme von Aufgaben, die den eigenen Wünschen und Fähigkeiten in der modernen digitalen Arbeitswelt entsprechen. Unabhängig vom Alter. Bei gleichzeitiger Sorglosigkeit im Falle von Krankheit.

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